Meine persönliche Erfahrung:
Der Körper hat die Fähigkeit und Intelligenz, sich selbst zu heilen.
Wie sieht es nun bei ernsteren Krankheiten aus, warum versagt dieses
System – bzw. versagt es tatsächlich? Warum werden wir wirklich krank,
was steckt dahinter? Hat Leiden etwa einen Sinn und Zweck, den es nur zu
verstehen und zu erfüllen gilt? Nach vielen Jahren des Krankseins und
unzähligen Grenzerfahrungen kann ich mit Überzeugung sagen: Ja, Krankheit
hat auf jeden Fall einen Sinn! Dieser Sinn führt in erster Linie zum
Überdenken der bisherigen Lebensweise, zur Veränderung und somit zu
geistigem Wachstum. Es ist wie beim kleinen Kind, das sich erst an der
Herdplatte die Finger verbrennen muss um zu lernen, dass man diese besser
nicht anfasst. Nur durch eigene Erfahrung lernen wir, nicht durch Theorie.
Krankheit ist eine solche Erfahrung aus der wir lernen dürfen. Wir haben
dabei stets die Wahl uns dafür oder dagegen zu entscheiden. Dafür sind
Krankheiten da: damit wir vorwärts kommen, Grenzen austesten, Neues
ausprobieren und geistig daran wachsen. Dank meiner Krankheit bin ich
zu dem Menschen geworden, der ich heute bin. Sie hat mir neue Wege ermöglicht,
Einsichten, zu denen ich niemals gekommen wäre, hätte ich nicht immer wieder
um mein Leben kämpfen müssen. Der wahre, wirkliche Lebenswille erwacht
bei manchen erst, wenn es schon fast zu spät ist.
Viele Patienten (und Therapeuten!) meinen, dass Krankheit den Menschen
aus dem Gleichgewicht bringt und es gilt, dieses wieder herzustellen.
Ein lebendiger, gesunder Organismus ist jedoch weit vom Gleichgewicht
entfernt. Erst wenn wir tot sind, sind wir wirklich im Gleichgewicht.
Stillstand ist der Tod, wie es so schön heisst. Es gilt also, das krankende
System in ein Ungleichgewicht zu bringen, quantenphysikalisch auch Chaos
genannt. Es ist wie beim Frühlingsputz: wenn wir im Kleiderschrank
vorne beginnen und uns nach hinten arbeiten, werden wir keine befriedigende
Ordnung herstellen können. Es geht nicht darum, das Alte neu zu ordnen,
sondern Unbrauchbares auszusortieren und eine völlig neue Ordnung herzustellen.
Also raus mit den Kleidern, was dann ein Chaos am Boden zufolge hat.
Erst jetzt können wir nach und nach jedes Kleidungsstück einzeln begutachten
und entscheiden, ob und welchen Platz es in unserem Leben noch hat.
Genau so, wie aus dem Kleiderchaos am Boden im Schrank eine neue Ordnung entsteht,
geschieht es auch mit unserem Leben. Um wirkliche Gesundheit zu erlangen,
ist es dringend geboten, alles an die Oberfläche zu bringen, neu zu sortieren
und uns von Altem zu trennen. Schliesslich wollen wir nicht zum alten Zustand
zurück; denn dieser hat uns ja erst in die Krankheit geführt.
Eine Veränderung geschieht erst, wenn wir loslassen und aktiv werden.
Ich finde es wichtig, dass der Patient sich bewusst entscheidet, ob und
wann er dafür bereit ist. Dass jemand Hilfe bei einem Therapeuten sucht,
heisst noch lange nicht, dass er wirklich bereit ist, gesund zu werden und
vor allem die daraus entstehenden Konsequenzen zu tragen!
Der Körper strebt also stets nach Gesundheit, doch wie sieht es mit Geist
und Seele aus? Der Mensch kann seine Selbstheilungskräfte nur entfalten,
wenn die Ursachen der Krankheit erkannt und erfolgreich angegangen werden.
Was so einfach tönt, ist für den Hilfesuchenden oft sehr schwer. Wenn er
erkennt und versteht, was seine körperlichen Symptome ihm sagen möchten,
ist er bereits auf dem Weg der Besserung.
Manchmal hilft es auch, nicht ständig gegen eine Krankheit zu kämpfen,
sondern sie anzunehmen ohne zu werten. Ergebnisse können nur entstehen
indem wir uns er-geben. Was jedoch nicht heisst, dass der Patient aufgeben
und resignieren soll. Vielmehr geht es darum, eine Krankheit nicht zu
ignorieren und sein Leben nicht einfach weiterzuführen, als wäre nichts
passiert. Denn, wie bereits erwähnt, die Krankheit meldet sich um uns
etwas klarzumachen. Wenn jemand an unsere Türe klopft um uns etwas zu
sagen, ignorieren oder bekämpfen wir ihn ja auch nicht. Wir gehen hin,
bleiben stehen, hören ihm aufmerksam zu und entscheiden dann, was zu tun
ist. Dies sollte ein Patient mit seiner Krankheit auch so tun. Stehen
bleiben, zuhören und dann überlegen, wie es weiter gehen soll. Leider
sieht die Wirklichkeit etwas anders aus. Die meisten wollen sich von einer
Krankheit „nicht unterbuttern lassen“ und sind stolz, wenn sie es schaffen
ihr Leben nach abklingen der schlimmsten Symptome genau so weiterzuführen
wie vor dem Ausbruch der Beschwerden. Diese Leute haben den effektiven
Sinn ihrer Symptome nicht verstanden und werden wahrscheinlich immer wieder
im Lauf ihres Lebens damit konfrontiert werden.
Zusammenfassend könnte man sagen: Krankheit rüttelt auf und lässt uns aus
der Starre ins Leben erst erwachen. Treffend formuliert in einem Zitat
von Arnold Mayer, Heilpraktiker und Dozent:
"In Krankheit steigert sich der plätschernde Lebensbach zum reissenden Strom."
Der Mensch wird oftmals krank, wenn er sein eigenes Potential nicht lebt;
wenn er sich zum Beispiel ständig überall anpasst statt seinen eigenen
Weg zu gehen. Dies bedingt natürlich, dass man sich mit sich selber erst
mal gründlich auseinandersetzt um sich überhaupt kennenzulernen und zu
wissen, wo die eigenen Bedürfnisse, Ziele und Wünsche liegen.
Natürlich ist das nicht zwangsläufig bei allen so. Es gibt immer wieder
Menschen, die einfach Glück haben und dann wieder andere, die scheinbar
alles richtig machen und trotzdem nicht vom Fleck kommen. Dies kann auch
karmische Gründe haben.
© copyright F. Blaser/M. Hill 2009