Schon oft habe ich mich gefragt, welche Grundvoraussetzungen gegeben sein müssen um die bestmögliche Wirkung mit einer Therapie zu erzielen. Wie sieht denn die optimale Behandlung aus? Welche grundsätzlichen Voraussetzungen müssen Patient und Therapeut mitbringen um gemeinsam etwas bewegen zu können? Was macht einen guten Therapeuten aus, was einen „guten, therapieempfänglichen“ Patienten?
Wenn zwei verschiedene Therapeuten genau die gleiche Technik anwenden
oder die gleichen Mittel verschreiben, so hat trotzdem der eine die höhere
Erfolgsrate als der andere. Der Therapeut als solcher macht also einen
Grossteil der eigentlichen Therapie aus. Warum ist das so und wo liegt
der Unterschied? Ist es die Ausstrahlung, der Charakter, die Motivation,
die Erfahrung oder einfach das Zwischenmenschliche, das stimmen muss?
Und warum hat dies einen scheinbar so bedeutenden Einfluss auf den Verlauf
einer Therapie? Anscheinend ist es nicht nur die Technik und Theorie,
die wir als Therapeuten anwenden, es ist viel mehr als das.
Es scheint fast, als ziehe der Mensch aus Nähe und Berührung eine Art
Lebenselixier. Stossen wir uns den Ellbogen, so fassen wir automatisch
mit der Hand an die schmerzende Stelle und lassen erst wieder los, wenn
eine Besserung eingetreten ist. Ein Baby, das mit allem Materiellen versorgt
wird was es braucht, jedoch keine Berührung und Nähe erfährt, stirbt nach
wenigen Monaten aus medizinisch unerklärlichen Gründen. Auch hier stellt
sich die gleiche Frage: Was genau ist „es“ denn? Und ist es möglich, dieses
„Etwas“ zu beeinflussen und gezielt einsetzen?
Wenn ich Menschen frage, welche Eigenschaften sie in einem guten Therapeuten
suchen, höre ich selten Sachen, wie: „er beherrscht sein Handwerk und ist
intelligent“, sondern Bemerkungen, wie: „er hört mir zu und nimmt mich ernst“.
Ich glaube nicht, dass „es“ sich auf eine bestimmte Eigenschaft beschränken lässt.
Wahrscheinlich ist es eine Kombination einer Vielzahl von Einflüssen,
wie Aufmerksamkeit, Mitgefühl und aufrichtiges Interesse, welche ein Therapeut
mitbringen sollte und auch im Laufe der Jahre nicht wieder verlieren darf.
© copyright F. Blaser/M. Hill 2009